Meine Gartensternwarte in Oberwiesenthal

Was es alles so gibt in Oberwiesenthal, der höchstgelegenen Stadt Deutschlands. Seit 2007 wird sie nun Stück für Stück aufgebaut. Meine Gartensternwarte im Zechengrund. Natürlich nicht ganz unten im Tal. Nein etwas höher, nämlich auf 933 m über NN. Für die Wahl des Standortes war es mir wichtig, die recht annehmbaren Beobachtungsbedingungen des Erzgebirges mit kurzen Wegen zu verbinden und eine feste Aufstellung meines Instrumentariums zu erreichen. Günstig war, dass in unmittelbarer Umgebung meines Wohnortes eine Kleingartenanlage in Südhanglage existiert und ein Garten mit Gartenhaus zur Pacht angeboten wurde. Dort hatte ich als jetzt frisch gebackener Kleingärtner die Möglichkeit, mir eine Beobachtungsterrasse zu errichten. Von hier aus habe ich einen guten Blick nach Osten, Süden und Westen. Zudem ist es für erzgebirgisch/sächsische Verhältnisse nachts recht dunkel. Trotzdem das Erzgebirge nicht der astronomische Topstandort ist, erreiche ich hier in guten Neumondnächten ein fst von bis zu 6 mag. Somit ist mein Platz gut geeignet für visuelle Deep-Sky-Beobachtungen, CCD-Kleinplaneten- und -Veränderlichen-Beobachtungen sowie Astrofotografie.

Die Bedingungen

Die Lichtverschmutzungskarte zeigt allerdings, dass gerade das Erzgebirge in einer dicht besiedelten Region liegt und sich im Norden meines Standortes zwei große Städte (Chemnitz und Dresden) befinden. Trotzdem ist dieser Platz gut für fst. von bis zu 6 mag, da durch die Höhenlage bedingt die Lichtquellen tiefer liegen und zudem die Luft hier sehr klar sein kann. In den Wintermonaten sind die beleuchteten Liftanlagen am Fichtelberg (D), Keilberg (CZ) und von Bozi Dar (CZ) bis etwa 21.00 Uhr störend. Erst nach Ausschalten der Beleuchtung wird Deep Sky zum Genuss.
je oranger, je heller der Nachthimmel

Am Anfang war das Abwasserrohr

Meine Baustelle aus dem Jahr 2007. Nachdem ein Wasserrohrbruch auf dem Grundstück behoben werden musste, ergab sich die Möglichkeit, das eh durch Schachtarbeiten umgewälzte Gelände gleich in eine Terrasse zu verwandeln. Mit Betonringen wurde ein Rondell angelegt und ein 20 cm Abwasserrohr 80 cm tief in den Boden einbetoniert und mit Beton gefüllt. Steht bombenfest, da wackelt nix. 10 mm Edelstahl Gewindestangen wurden mit eingelassen, um damit einen Baader- Kurzsäulenflansch zu montieren. Dieser ist mittlerweile an einen anderen Sternfreund verkauft worden und durch eine neue Basis von Optikshop24.de ersetzt worden, mit der auch größere Montierungen adaptiert werden können. Hier alles noch im Rohzustand ohne Holzboden.

First Light

Im Winter 2007/2008 war es dann soweit, Ich konnte auf fester Säule erste Beobachtungen im eigenen Refugium beginnen. Hier der 80/600 ED-Refraktor von Skywatcher auf der GP-E Montierung mit Webcam bei Mondaufnahmen. Die Winter im Erzgebirge sind gerade hier oben sehr schneereich. Das ist das Hauptproblem dieses Standortes ist und kann nur mit Muskelkraft gelöst werden. Bewährt hat sich auch das Gartenhaus. Hier kann man sich mal einen Tee kochen, sich aufwärmen (Heizlüfter)und bei Licht kleinere technische Probleme lösen.
Erste Beobachtung im Schnee

10 Zoll auf EQ-6

Säule und Terrasse wurden im Sommer 2008 fertig gestellt. Ab September 2008 beobachtete ich mit einem 10" GSO Newton auf einer EQ-6 Standard visuell. Hier noch auf einer provisorischen Säulenadaption mit dem Baader Kurzsäulenflansch. Allerdigs ist diese Konfiguration für die EQ-6 schon grenzwertig gewesen. Bei Wind vibriert der lange Tubus schon erheblich. Der Newton wog etwa 15 kg. Visuell waren aber trotzdem sehr schöne Beobachtungen mit dieser guten Optik möglich. Die Optik ist mittlerweile in einem Volltubus-Dobson eingebaut und wird so für visuelle Ausflüge ins All genutzt

Neue Säulenbasis

Die Basis der EQ-6 wurde im Spätherbst 2008 durch eine professionellere Lösung von Mike Behnke, Optikshop24.de ersetzt, die die Aufstellung wesentlich verbesserte und stabiler gestaltete. Ein Teil der Vibrationsprobleme konnte schon durch diese Variante der Säulenadaption gelöst werden. Vorteil ist weiterhin, das die Basis durch Austausch der Adapterplatte an jede beliebige Montierung angepasst werden kann.
Hüttchen

Fahrbare Hütte

Seit September 2009 steht er nun, der abfahrbare Montierungsschutz. Das Holzhäuschen Marke Eigenbau ist auf Rollen gelagert und kann bei Bedarf zur Seite weggefahren werden. Dazu Sitzgelegenheiten, ausreichend Stromanschlüsse und freie Sicht(nach Kürzen des Wacholders). Auf der terasse sind die Rollen auf Schienen geführt. Den Rest des Fahrweges laufen die Räder auf einbetonierten preiswerten Fensterstürzen. Noch nicht perfekt aber praktikabel.

Stand 2011

Der momentane Stand: Ein 102/714 ED-Refraktor von Astroprofessional mit parallel montiertem 80/600 ED von Skywatcher auf einer OTE 150 II Montierung mit FS-2 Steuerung von Michael Koch. Am Teleskop eine SBIG ST-7 CCD-Kamera. Ziele für die nächste Zeit sind die Beobachtung veränderlicher Sterne mittels CCD und die Ermittlung von Maximums- und Minimumszeiten. Erste Ergebnisse wurden in Kirchheim und Oberiwesenthal schon erreicht und der BAV sowie der AAVSO zur Verfügung gestellt.
Refraktoren in Aktion

Beobachten 2011

Ein Bild vom 23.10.2011. In dieser Nacht habe ich mit dem 102/714 ED - Refraktor eine Lichtkurve des Veränderlichen RV Ari aufgenommen. Hier mal das Equipment in Aktion bei Ende der Beobachtung. Ja, der Kenner würde jetzt raten: Fernrohr umschlagen. Die Konfiguration funktioniert jetzt fast perfekt. Einziger Nachteil: Da die Säule ursprünglich für einen Newton konzipiert war, ist der Einblick bei den Refraktoren ziemlich tief. Hm...da muss ich noch was tun...